Der Schoa-Überlebende Leon Weintraub wird am Neujahrstag einhundert Jahre alt. Noch immer erzählt er seine Geschichte. Seine Sorge vor dem Erstarken rechtsextremer Parteien wächst. Friedrich Merz hat er schon gewarnt.
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Er selbst entkam der Ermordung nur knapp: Einer Eingebung folgend, schloss er sich unbemerkt einem Gefangenentransport an und überlebte das letzte Kriegsjahr als Arbeitshäftling in verschiedenen Konzentrationslagern. Kurz nachdem Weintraub Auschwitz verlassen hatte, wurden die Jugendlichen seines Blocks als arbeitsunfähig eingestuft und in die Gaskammer geschickt.
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Im November 2024 war er im Niedersächsischen Landtag zu Gast und überreichte der AfD-Fraktion zum Abschied ein Exemplar seiner Biographie „Die Versöhnung mit dem Bösen“. Als unheilbarer Optimist hoffe er, sagte Weintraub damals, dass sein Buch die Politiker zu „anderen Gedankengängen“ anregen würde. Am 27. Januar 2025, dem achtzigsten Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, drückte er vor Delegationen aus 55 Ländern seinen Schmerz über das Erstarken rechter Parteien in Europa aus. Dabei forderte er „alle Menschen guten Willens“ dazu auf, wachsam gegenüber Intoleranz und Ressentiments zu bleiben. Insbesondere dann, wenn sie sich gegen Menschen einer anderen Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung richteten.
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Seinen hundertsten Geburtstag begeht er, der sich selbst als Weltbürger bezeichnet, mit Weggefährten und Freunden aus verschiedenen Ländern. Menschen unterschiedlicher Lebensalter, Herkünfte, Religionen und sozialer Klassen seien eingeladen, erzählt Weintraub. Er ist nun einmal ein unverbesserlicher Optimist, sagt er, und glaubt daran, dass unsere Gesellschaften irgendwann so friedlich miteinander leben können, wie seine Geburtstagsgäste am 1. Januar miteinander feiern werden.


