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Denn die aktuelle Diskussion verschiebt ein strukturelles Problem auf die Ebene individueller Nutzerinnen und Nutzer. Sie operiert vor allem mit Verboten, Zugangsbeschränkungen und Verhaltensregeln für Einzelne, während die ökonomischen und technischen Strukturen der Plattformen, die das Problem erst erzeugen, weitgehend ausgeblendet bleiben. Genau darin liegt die Schieflage der Debatte.
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Wurde auch ganz gut im aktuellen Logbuch Netzpolitik thematisiert.
Am Ende ist es wie mit Zigaretten und Glücksspiel. Es ist nicht so, dass eine Person mit überschreiten einer definierten Altersschwelle auf magische Art und Weise plötzlich zum Ergebnis kommt “Hey, das ist ja total ungesund, ich hör mal lieber damit auf”.
Das Ungesunde bleibt bestehen, aber vielleicht für Kinder nicht mehr.
Was auch blöd ist, dass die Open-Source Alternativen oft die suchterzeugenden Designelemente, wie endless scrolling, time lines, likes, von ihren “Vorbildern” kopieren. Dann hat man letztlich mit Mastodon und so weiter den Suchtstoff kopiert und säuft sich bildlich gespochen die Leber nun mit Schnaps aus dem Bioladen kaputt.
Eine interessante Alternative zu den süchtig machenden Formaten a la Facebook und Twitter ist das Open Source Gemini-Netzwerkprotokoll, das trotz seines Namens nichts mit dem KI-Programm von Google zu tun hat (es entstand 2019/2020, bevor Google seine KI veröffentlichte). Mittlerweile hat sich ein Netzwerk mit einigen tausend dezentralen kleinen Servern gebildet, das organisch wächst. Das Gemini-Netzwerk ist, etwas verkürzt, eine Weiterentwicklung von gopher. Es handelt sich um eine extrem vereinfachte Software, die es einerseits erlaubt, textorientierte Inhalte sowie andere Medien in einem einfachen Browser (aber ohne merviges Javascript, Pop-Ups, Tracking, erzwungene Newsletter, Anzeigen, Logins, Cookie-Banner etc) anzusehen.
Und andererseits extrem vereinfachte Server-Software, die es ermöglicht, seine eigenen Texte und Medien auf seinem eigenen kleinen Server zu hosten (ein stromsparender Raspberry Pi reicht dazu). Die unterstützten Formate sind Blogs, Mikroblogs, Journals (wie das alte LiveJournal), Webseiten wie Wordpress, beliebige Dateien und Medien (z.B. auch Download von Software).
Es wird gerade hier auf c/de_EDV diskutiert:
Wann gehen Union und SPD endlich die wahren Ursachen von Social-Media-Sucht und Radikalisierung an, anstatt sich hinter bequemen Verbotsforderungen zu verstecken?
Nie? Die machen lieber irgendwas populistisches. Ist einfacher.
Der Hammer ist ja auch, dass Friedrich jetzt auch mal mitbekommen hat, dass es überhaupt ein Problem gibt.
Der CDU-Chef sagte, die freiheitliche Gesellschaft sei in Gefahr. Er habe vollkommen unterschätzt, was über Algorithmen und über Künstliche Intelligenz “an gezielter und gesteuerter Einflussnahme von innen und auch und besonders von außen möglich ist an Zersetzung des Geistes unserer freiheitlichen Gesellschaft”
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/merz-klarnamen-internet-100.html
Es ist 2026 und der Typ hat wahrscheinlich gestern zum ersten Mal den Browser gestartet. Anders kann man das nicht mehr erklären. Gruselig, wenn man bedenkt, dass der die Zügel in der Hand hält und unsere Demokratie schützen muss.
@SapphireSphinx Mit seiner “Klarnamen-Pflicht” macht er das deutschsprachige Internet zu einem gefundenen Fressen für alle möglichen Formen digitaler Angriffe.
Mit der Aussage, dass er sich ja auch mit #Klarnamen in der Politik zeigen muss, vernachlässigt er zwei wichtige Fakten. Erstens hat er die Wahl, Politiker zu sein, und zweitens hat er im Gegensatz zum Durchschnitt der Bevölkerung politische Immunität und ein gewaltiges Sicherheitsteam.
Sind die Platformen nicht auf EU Ebene reguliert? Es laufen da doch grade mehrere Verfahren wegen süchtigmachenden Elementen. Die finden sich nebenbei auch in der SPD-Forderung - ob man die jetzt gut findet oder nicht.
Zugleich erzeugen beide Ansätze erhebliche Nebenwirkungen. Ein pauschales Verbot verkennt die Realität digitaler Sozialisation und verschiebt Nutzung in schwerer kontrollierbare Räume
Ich seh schon wie der 6 jährige Kevin mit Alexander die VPN aufsetzt, sich in den USA bei Tiktok anmeldet und dabei viele Wegwerfmailacounts nutzt. Womöglich biegen die auch zu 4chan ab!1!!1!
Was ein Bullshit. Die Rede ist von unter 14 jährigen
Wir haben damals mit unter 14 fleißig Raubkopien auf dem Schulhof gedealt und das in der Vor-Internetzeit in einem internationalen Netzwerk. Auch 13jährige sind nicht dumm, vor allem wenn die Komplexität dann in “Kaufe irgendeine Guthabenkarte am Kiosk” besteht.
Die gute alte Floppyzeit :) Nun, es waren ein paar Nerds pro Jahrgang. Nicht alle Kinder. Und es war Social. Ich habe durch Floppiestauschen viele Jungs in meiner Siedlung kennengelernt.




