Aber die Aussage, die DDR hätte lediglich von ihrer Substanz gelebt…
Falls du dich daran störst, dass man meine Aussage so verstehen kann, dass die DDR zu keinem Zeitpunkt eigene Substanz geschaffen hat, sondern nur aufgebraucht hat, das möchte ich damit überhaupt nicht gesagt haben.
Bis zum Zeitpunkt ihres Zusammenbruchs hat sie jedoch in Summe so sehr die Substanz aufgezehrt, dass es schlicht nicht mehr weiterging.
und ihre ökonomischen und sozialen Errungenschaften wären nur Schein gewesen
Was heißt nur Schein? Sie waren zwar real, aber nicht finanziert.
Ich kann als Bar auch jeden Abend meinen Kunden das Bier für 50 Cent verkaufen. Viele Kunden werden das super finden und ich werde das Spiel eine Zeitlang auch aufrecht erhalten können. De facto werde ich jedoch immer mehr Mittel in dieses “Bierversprechen” stecken müssen, die mir anderswo fehlen, bspw Renovierungen. Bis mir irgendwann trotzdem die letzte Kohle ausgeht und ich dicht machen muss.
Derjenige, der dann meinen Laden übernimmt, kernsanieren muss und dann das Bier für 4 Euro anbietet, darf sich dann auch anhören, dass das Bier hier früher viel billiger war und es früher doch viel schöner war und was da alles möglich war. War’s halt nicht, darum gibts die Bar nicht mehr.
Gehen wir mal davon aus, es hätte eine kapitalistische DDR gegeben (so absurd der Gedanke eines kapitalistischen Staates im Ostblock auch ist), die in den exakt gleichen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen wie die historische DDR überleben müsste, also Feindschaft des Westens, Ressourcenknappheit, RGW usw.
Das scheitert schon daran, dass es bei einem kapitalistischen Wirtschaftssystem keine Feindschaft des Westens gegeben hätte, sondern eine Feindschaft des Ostens, da die Trennlinien entlang der Wirtschaftssystemgrenzen gezogen waren. Genau das war ja Kern des Ganzen.
Liegt das Scheitern der DDR wirklich am Sozialismus oder doch eher an ihrem Autoritarismus, der zur Unpopularität führte, und ihren ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen?
Da ihr Sozialismus im Rahmen des damaligen Wettstreits der Systeme dazu geführt hat, der erklärte Gegner der Marktwirtschaft zu sein, sind die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen für mich damit verbunden. Bezüglich des Autoritarismus als Grund habe ich insofern Bedenken, als dass wir in China erleben können, wie sehr die Bevölkerung harten Autoritarismus toleriert, so lange ökonomische Rahmenbedingungen das ausgleichen. Im Gegensatz zur Sowjetunion und ihren Ländern hat sich China retten können, indem man es zwar nach wie vor “Sozialismus” nennt, in Wahrheit den Kapitalismus aber längst in die Wirtschaft gelassen hat. Noch klappt das.
Heute liegt das Vermögen weitestgehend im Westen, die Unternehmen und ihre Bosse kommen aus dem Westen, die Politiker oft auch und im Vergleich sind Ostdeutsche ökonomisch schlechter abgesichert und haben weniger Vermögen.
… und trotzdem jubeln erschreckend viele dieser enttäuschten Ostdeutschen heute einem Westler Höcke zu, der wie damals die windigen West-Handelsvertreter nach dem Mauerfall ins Land gekommen ist und ihnen nutzlosen Kram zu seinem eigenen Vorteil andrehen will.
sie bekamen aber als erstes sozialen Kahlschlag, Arbeitslosigkeit und allgemeine Ernüchterung.
Schon richtig. Das liegt allerdings nicht nur an den bösen Westlern, sondern weil auch erst dann der bis dahin durch die DDR mühevoll verborgene Zustand des Landes freibrach. Es ist auch die Rechnung gewesen für 40 Jahre “Arbeiterparadies”. Diesen Preis hätten die Bewohner des Landes jedoch so oder so zahlen müssen, ob nun als Bürger der DDR oder der BRD. Es ist den ehemaligen Brudervölkern ja nicht anders gegangen.
Bei uns war nur das fatale, dass es dann nur die eine Hälfte des Landes betraf und nicht alle. Ein Psychoexperiment, das gezielt Unfrieden stiften soll, könnte man quasi gar nicht besser aufziehen. Insofern: ja, es hat eine materielle Grundlage und die Narben sind noch nicht geheilt. Das ist aber auch nicht zu erwarten, denn der Kraftakt Wiedervereinigung in Zeiten des Umbruchs ist ein wohl einmaliges Vorhaben ohne Blaupause. Und doch verblassen mit jedem weiteren Jahr die tiefen Gräben weiter, die die deutsch-deutsche Teilung und ihre Schatten gerissen haben.
Falls du dich daran störst, dass man meine Aussage so verstehen kann, dass die DDR zu keinem Zeitpunkt eigene Substanz geschaffen hat, sondern nur aufgebraucht hat, das möchte ich damit überhaupt nicht gesagt haben.
Bis zum Zeitpunkt ihres Zusammenbruchs hat sie jedoch in Summe so sehr die Substanz aufgezehrt, dass es schlicht nicht mehr weiterging.
Was heißt nur Schein? Sie waren zwar real, aber nicht finanziert.
Ich kann als Bar auch jeden Abend meinen Kunden das Bier für 50 Cent verkaufen. Viele Kunden werden das super finden und ich werde das Spiel eine Zeitlang auch aufrecht erhalten können. De facto werde ich jedoch immer mehr Mittel in dieses “Bierversprechen” stecken müssen, die mir anderswo fehlen, bspw Renovierungen. Bis mir irgendwann trotzdem die letzte Kohle ausgeht und ich dicht machen muss.
Derjenige, der dann meinen Laden übernimmt, kernsanieren muss und dann das Bier für 4 Euro anbietet, darf sich dann auch anhören, dass das Bier hier früher viel billiger war und es früher doch viel schöner war und was da alles möglich war. War’s halt nicht, darum gibts die Bar nicht mehr.
Das scheitert schon daran, dass es bei einem kapitalistischen Wirtschaftssystem keine Feindschaft des Westens gegeben hätte, sondern eine Feindschaft des Ostens, da die Trennlinien entlang der Wirtschaftssystemgrenzen gezogen waren. Genau das war ja Kern des Ganzen.
Da ihr Sozialismus im Rahmen des damaligen Wettstreits der Systeme dazu geführt hat, der erklärte Gegner der Marktwirtschaft zu sein, sind die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen für mich damit verbunden. Bezüglich des Autoritarismus als Grund habe ich insofern Bedenken, als dass wir in China erleben können, wie sehr die Bevölkerung harten Autoritarismus toleriert, so lange ökonomische Rahmenbedingungen das ausgleichen. Im Gegensatz zur Sowjetunion und ihren Ländern hat sich China retten können, indem man es zwar nach wie vor “Sozialismus” nennt, in Wahrheit den Kapitalismus aber längst in die Wirtschaft gelassen hat. Noch klappt das.
… und trotzdem jubeln erschreckend viele dieser enttäuschten Ostdeutschen heute einem Westler Höcke zu, der wie damals die windigen West-Handelsvertreter nach dem Mauerfall ins Land gekommen ist und ihnen nutzlosen Kram zu seinem eigenen Vorteil andrehen will.
Schon richtig. Das liegt allerdings nicht nur an den bösen Westlern, sondern weil auch erst dann der bis dahin durch die DDR mühevoll verborgene Zustand des Landes freibrach. Es ist auch die Rechnung gewesen für 40 Jahre “Arbeiterparadies”. Diesen Preis hätten die Bewohner des Landes jedoch so oder so zahlen müssen, ob nun als Bürger der DDR oder der BRD. Es ist den ehemaligen Brudervölkern ja nicht anders gegangen.
Bei uns war nur das fatale, dass es dann nur die eine Hälfte des Landes betraf und nicht alle. Ein Psychoexperiment, das gezielt Unfrieden stiften soll, könnte man quasi gar nicht besser aufziehen. Insofern: ja, es hat eine materielle Grundlage und die Narben sind noch nicht geheilt. Das ist aber auch nicht zu erwarten, denn der Kraftakt Wiedervereinigung in Zeiten des Umbruchs ist ein wohl einmaliges Vorhaben ohne Blaupause. Und doch verblassen mit jedem weiteren Jahr die tiefen Gräben weiter, die die deutsch-deutsche Teilung und ihre Schatten gerissen haben.