

Halt die Fresse.
Aber wer denkt, der Krieg in der Ukraine ist primär Ergebnis der Boshaftigkeit der Russen,
Dich kannte ich noch nicht. Jetzt weiß ich wohl alles, was ich wissen möchte.
Schade, dass du dich hier auf diese Art engagieren möchtest.


Halt die Fresse.
Aber wer denkt, der Krieg in der Ukraine ist primär Ergebnis der Boshaftigkeit der Russen,
Dich kannte ich noch nicht. Jetzt weiß ich wohl alles, was ich wissen möchte.
Schade, dass du dich hier auf diese Art engagieren möchtest.


Wie viele von denen nutzen ein OS, eine Office Suite etc, jenseits von Microsoft und Apple?


Ist das Einrichten von Windows plus Software auch. In beiden Fällen ist das nichts, was der berufliche Nutzer selber tun muss.
Wenn du “beruflich” konsequent mit “arbeitet in einem großen Büro mit eigener IT-Abteilung” gleichsetzt, jo. Tue ich jedenfalls nicht. Es ist meine eigenen Arbeitszeit, die ich investieren musste, damit es so läuft. Es hat erheblich länger gedauert als meine bisherigen Windows-Installationen und bestimmte Dinge gehen heute noch nicht. Wir können da gern noch lange rumdiskutieren, aber FOSS-Lösungen benötigen in den meisten Fällen mehr Engagement und Zeit vom Nutzer. Wie gesagt: ich kenne nicht viele Nicht-IT-Berufstätige, die ohne amerikanische Produkte auf ihren Arbeits-Rechnern zurechtkommen - du?
Wäre, “Gering bis sehr hoch, abhängig davon, ob du Öl besitzt”, zu zynisch?
Es wäre an der Frage vorbei, denn wir reden hier von Abschreckungspotential und nicht davon, ob diese Länder Angst haben müssen, von den Amerikanern überfallen zu werden.


Du definierst also “Ich hätte die Wahl aber ich möchte das US Produkt wählen” als Abhängigkeit, weil das genau das Narrativ ist, dass dir Firmenleitungen und Politiker (nach Konsultation mit US Lobbyisten) vorbeten.
Das ist zu vereinfacht. Microsoft, Apple, Google und Co. machen schon mehr, als dir einfach nur vorzubeten, dass ihr Ökosystem gut ist. Gerade deshalb habe ich insbesondere nach Nicht-IT-Berufstätigen gefragt. Ich bin gerne zu Linux gewechselt, aber es war (und ist) Arbeit, alles so eingerichtet zu bekommen, dass ich richtig produktiv arbeiten kann. Ich mach das gerne, weil es für mich ums Prinzip geht und ich das Thema insgesamt spannend finde, aber viele andere schaffen diese Schwelle nicht. Natürlich ist es nicht unmöglich, aber es ist auch nicht unmöglich, mit dem Rauchen aufzuhören - trotzdem machen das viele. Wegen der Abhängigkeit.
… dass das wahre Problem die völlig Selbstüberschätzung Russlands war.
Ist der Sinn von Abschreckung nicht auch, möglichst keinen Raum zur Selbstüberschätzung zu lassen? Wenn ich mit etwas abschrecke, das mein Gegenüber als bewältigbar interpretieren kann, dann ist meine Abschreckung zu schwach. Darum: wie hoch schätzt du den Anteil Amerikas am Abschreckungspotential der NATO?
Das war bewusst sehr allgemein, weil es eben nicht um Einzelfälle geht. Aber um für dich mal ein paar konkrete Beispiele aus sehr verschiedenen Bereichen zu nennen:
Danke für die Aufzählung, da sind interessante Sachen dabei. Spontan denke ich, dass hier auch der Faktor Doktrin reinspielt: Amerikaner setzen extrem stark auf Luftüberlegenheit und Kampf aus der Luft. Die Bedeutung von Panzern und insbesondere Haubitzen ist in den Szenarien Amerikas nicht mehr so stark wie beispielsweise für uns.


Technologisch: Was bieten die USA denn außer, dass die ganz toll pusten können, um Technologieblasen, die keinerlei tatsächliche Leistung erbringt, immer weiter aufzublasen?
Die Grundlage für nach wie vor den absolut größten Teil unseres elektronischen Lebens und Arbeitens - schreibe ich von meinem Linux-Rechner. Handy? Was werden es sein? 99% amerikanisches OS? Computer in Büros, Verwaltung oder auch zu Hause? Sicherlich 95% amerikanisches OS. Office-Suiten? Die weit meisten hängen tief drin bei Microsoft. Wie viele Berufstätige jenseits von IT kennst du, die für ihre produktive Arbeit nicht auf amerikanische Produkte zurückgreifen? Ich sage nicht, dass es nicht ersetzbar ist, aber das Ökosystem ist schon sehr dominant und würden Microsoft und Google morgen auf Trumps Geheiß für Europa den Stecker ziehen, hätten wir tumultartige Zustände. Also sind wir abhängig.
Militärisch: Der nicht-US Teil des NATO ist der bedeutend größere.
Quantitativ vielleicht. Frag dich aber lieber, wie groß der US-Teil am Abschreckungspotential der NATO ist.
Knapp 1 Mio. Ukrainer unter Waffen haben Russland nicht abschrecken können. Die technologischen und materiellen Voraussetzungen, innerhalb weniger Stunden überall auf der Welt Präzisionsschläge jedweder Größe (hallo Natans) ausführen zu können, schon.
Und das nicht erst seit Jahren, sondern in der Tat seit Jahrzehnten, und hinken dann auch in so einigen Bereichen gern mal Jahrzehnte hinterher.
Woran denkst du da konkret?
Die einzige echte Abhängigkeit Europas ist psychologisch durch den propagandabedingten Hirnschaden bedingt, der regelmäßig dazu führt, dass man unter irgendwelchen absurden “aber es geht nunmal nicht anders”-Halluzinationen leidend freiwillig und aktiv Abhängigkeiten künstlich kreiert.
Ich würde eher sagen, dass Europa nicht begreift, dass diese Abhängigkeiten gelöst werden können - und müssen.
Aber die konkreten Abhängigkeiten sind definitiv real.


Bei Alpha Jet und Transall haben die Franzosen entweder auf Führerschaft gepocht (Alpha Jet), oder aber 50/50 angestrebt, obwohl sie nicht die Hälfte der Maschinen abgenommen haben (50 an Frankreich, 110 an Deutschland).
FREMM ist: wir bauen eine gemeinsame Hülle, kochen im Inneren aber unser nationales Süppchen (was bei FCAS nicht geht).
SAMPT ist unter französischer Technologieführerschaft.
Tiger wird außerhalb von Frankreich (und Spanien) in den 2030ern wegen Unzufriedenheit ausgemustert.
H225 ist ein französisches Produkt, das mittlerweile von Airbus vermarktet wird.
Ob der NH90 wirklich erfolgreich ist, muss er noch beweisen…


Auch ohne Trump bleiben auch in Zukunft zwei Wahrheiten:
Man darf nicht davon ausgehen, dass sich die Einstellung Amerikas Europa gegenüber ändert.
Europa darf grundsätzlich nicht mehr in der Abhängigkeit Amerika gegenüber verbleiben.


Richtig.
Nur bedingt das, dass Europa tatsächlich nicht auf Amerika angewiesen wäre - und das ist leider nicht der Fall. Technologisch und militärisch hängen wir voll dran.


Ein paar Jets über ein hoffnungslos unterlegenes Land zu schicken und ein paar Sachen wegzubomben ist das eine.
Eine tatsächliche Bodenoffensive zu führen, wie in Afghanistan oder dem Irak, das andere. Das ist extrem unpopulär bei den Amis und ich kann mir nicht vorstellen, dass er das macht, weil er genau weiß, wie unpopulär das bei den Leuten ist.


konventionelle (lies: an veraltete Taktiken haltende) Armee
Damit meinen sie ‘nicht-atomar’.
Sie wollen, dass Deutschland die stärksten Streitkräfte ohne Atombomben in Europa bekommt - weil Länder mit Atombomben wie Frankreich oder UK natürlich trotzdem stärker sind.


In der Pressekonferenz nach dem Angriff sagte er “We are not afraid of boots on the ground.”
Das Ding ist ja gerade, dass er zwar gerne über Dinge redet, aber bei der Umsetzung den Schwanz einzieht.
Klar poltert er nun also rum, dass Venezuela jetzt bloß besser machen sollte, was er will - in der Hoffnung, dass sie es wirklich tun, ohne dass er etwas dafür tun muss. Eine richtige Invasion Venezuelas wird er tunlichst vermeiden wollen, denke ich. Zu unpopulär.


Schon traurig dass einzig China und der Iran die Sache beim Namen nennen und das ganze “scharf” verurteilen.
… nachdem sie sich bei der Ukraine vornehm zurückgehalten haben und eben jene Doppelmoral zeigten, die du nur einen Absatz vorher angeprangert hast.


Die USA wollen nach dem militärischen Eingreifen in Venezuela und der Entmachtung von Präsident Maduro die Kontrolle über das Land behalten.
Behalten?
Fangen wir mal mit erlangen an.
Den Präsidenten handstreichartig aus dem Land zu entführen, ist zwar heftig (und illegal, und dämlich), aber noch meilenweit davon entfernt, dieses Land tatsächlich zu kontrollieren. Hat das schon einer Trump verraten?
Kontrolle kriegt er nur mit Boots on the Ground. Ob er das wirklich will, Friedenspräsident TACO?


Das mit den räumlichen Zuständigkeiten hat die CSU noch nie verstanden.
Sie rührt als Regionalpartei ja für ihre Partikularinteressen auch ständig über Gebühr in der Bundespolitik rum.
Weil das seit Jahrzehnten klappt, fehlt ihr Maß und Mitte.


was ich eher als Substanzgewinn bezeichnen würde.
Aber die Aussage, die DDR hätte lediglich von ihrer Substanz gelebt…
Falls du dich daran störst, dass man meine Aussage so verstehen kann, dass die DDR zu keinem Zeitpunkt eigene Substanz geschaffen hat, sondern nur aufgebraucht hat, das möchte ich damit überhaupt nicht gesagt haben.
Bis zum Zeitpunkt ihres Zusammenbruchs hat sie jedoch in Summe so sehr die Substanz aufgezehrt, dass es schlicht nicht mehr weiterging.
und ihre ökonomischen und sozialen Errungenschaften wären nur Schein gewesen
Was heißt nur Schein? Sie waren zwar real, aber nicht finanziert.
Ich kann als Bar auch jeden Abend meinen Kunden das Bier für 50 Cent verkaufen. Viele Kunden werden das super finden und ich werde das Spiel eine Zeitlang auch aufrecht erhalten können. De facto werde ich jedoch immer mehr Mittel in dieses “Bierversprechen” stecken müssen, die mir anderswo fehlen, bspw Renovierungen. Bis mir irgendwann trotzdem die letzte Kohle ausgeht und ich dicht machen muss.
Derjenige, der dann meinen Laden übernimmt, kernsanieren muss und dann das Bier für 4 Euro anbietet, darf sich dann auch anhören, dass das Bier hier früher viel billiger war und es früher doch viel schöner war und was da alles möglich war. War’s halt nicht, darum gibts die Bar nicht mehr.
Gehen wir mal davon aus, es hätte eine kapitalistische DDR gegeben (so absurd der Gedanke eines kapitalistischen Staates im Ostblock auch ist), die in den exakt gleichen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen wie die historische DDR überleben müsste, also Feindschaft des Westens, Ressourcenknappheit, RGW usw.
Das scheitert schon daran, dass es bei einem kapitalistischen Wirtschaftssystem keine Feindschaft des Westens gegeben hätte, sondern eine Feindschaft des Ostens, da die Trennlinien entlang der Wirtschaftssystemgrenzen gezogen waren. Genau das war ja Kern des Ganzen.
Liegt das Scheitern der DDR wirklich am Sozialismus oder doch eher an ihrem Autoritarismus, der zur Unpopularität führte, und ihren ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen?
Da ihr Sozialismus im Rahmen des damaligen Wettstreits der Systeme dazu geführt hat, der erklärte Gegner der Marktwirtschaft zu sein, sind die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen für mich damit verbunden. Bezüglich des Autoritarismus als Grund habe ich insofern Bedenken, als dass wir in China erleben können, wie sehr die Bevölkerung harten Autoritarismus toleriert, so lange ökonomische Rahmenbedingungen das ausgleichen. Im Gegensatz zur Sowjetunion und ihren Ländern hat sich China retten können, indem man es zwar nach wie vor “Sozialismus” nennt, in Wahrheit den Kapitalismus aber längst in die Wirtschaft gelassen hat. Noch klappt das.
Heute liegt das Vermögen weitestgehend im Westen, die Unternehmen und ihre Bosse kommen aus dem Westen, die Politiker oft auch und im Vergleich sind Ostdeutsche ökonomisch schlechter abgesichert und haben weniger Vermögen.
… und trotzdem jubeln erschreckend viele dieser enttäuschten Ostdeutschen heute einem Westler Höcke zu, der wie damals die windigen West-Handelsvertreter nach dem Mauerfall ins Land gekommen ist und ihnen nutzlosen Kram zu seinem eigenen Vorteil andrehen will.
sie bekamen aber als erstes sozialen Kahlschlag, Arbeitslosigkeit und allgemeine Ernüchterung.
Schon richtig. Das liegt allerdings nicht nur an den bösen Westlern, sondern weil auch erst dann der bis dahin durch die DDR mühevoll verborgene Zustand des Landes freibrach. Es ist auch die Rechnung gewesen für 40 Jahre “Arbeiterparadies”. Diesen Preis hätten die Bewohner des Landes jedoch so oder so zahlen müssen, ob nun als Bürger der DDR oder der BRD. Es ist den ehemaligen Brudervölkern ja nicht anders gegangen.
Bei uns war nur das fatale, dass es dann nur die eine Hälfte des Landes betraf und nicht alle. Ein Psychoexperiment, das gezielt Unfrieden stiften soll, könnte man quasi gar nicht besser aufziehen. Insofern: ja, es hat eine materielle Grundlage und die Narben sind noch nicht geheilt. Das ist aber auch nicht zu erwarten, denn der Kraftakt Wiedervereinigung in Zeiten des Umbruchs ist ein wohl einmaliges Vorhaben ohne Blaupause. Und doch verblassen mit jedem weiteren Jahr die tiefen Gräben weiter, die die deutsch-deutsche Teilung und ihre Schatten gerissen haben.


Der hat in seinem Land schon alle Hände voll zu tun …


Ok, also Endlager in Bayern? CSU?
Ihr wollt doch Kernenergie?
Nein?


Wo kam diese Substanz her?
Na aus dem Land. Vor dem Krieg war Sachsen eines der industriellen Zentren Deutschlands und auch generell ist nicht zu unterschätzen, wie wirtschaftlich stark das Land bis dahin war und wie viel Substanz in so einem derart entwickelten Gebiet liegt, selbst nach dem Krieg. Dass die Sowjetunion ihrem Satellitenstaat als erstes jedes zweite Bahngleis wegnahm und den Inhalt von Fabrikhallen demontieren ließ, hat zwar nicht geholfen, hinterließ aber auch keine brachliegende Einöde.
Keine Ahnung was dein Punkt ist.
Mein Punkt ist, dass sich das System der DDR nicht getragen hat. Insofern ist es schwierig, hier davon zu reden, dass bestimmte Dinge “möglich” waren. Denn die Rechnung ging ja nicht auf - letztendlich waren sie also nicht möglich, man hat nur ein paar Jahrzehnte so getan.
Nö. Das westdeutsche Kapital hat sich am Staatseigentum der DDR gesundgeplündert und es wurden ein paar Investitionen in die Infrastruktur gesteckt.
Jo, das ist halt nur eine Seite der Medaille. Klar gab es viele Fehler und Ungerechtigkeiten auf Kosten Ostdeutschlands in der Nachwendezeit, das ist definitiv der Fall. Aber gleichzeitig wird dabei auch gerne bequem ausgeblendet, in welchem desolaten Zustand sich das Land zum Zeitpunkt seines Zusammenbruchs befand. Nimm eine Stadt wie Bitterfeld: über Jahrzehnte unter der DDR fahrlässig vergiftet, galt es damals als einer der dreckigsten Orte Europas. Wenn du zu jung bist, das selber miterlebt zu haben, schau’s dir mal auf Bildern an. Und heute? Klar sind die Straßen nicht aus Gold, aber die Böden sind weitestgehend saniert, in den Gewässern kannst du mittlerweile baden. Und das ist nur die Spitze. Ich weiß noch, wie es Anfang der 90er in Dörfern der (ehem.) DDR aussah, du auch?
Die BRD hätte vielfach die ökonomischen Mittel, um in den 35 Jahren seit Absorption der Ostbundesländer die strukturellen Defizite auszugleichen.
Perfekt lief es zwar nicht, aber wie der Osten heute mittlerweile aussieht, kann sich unironisch sehen lassen. Da gibt es Orte tief im Westen, die sehen schäbiger aus. Gleichzeitig hat sich die Wirtschaftsleistung je Einwohner im Osten seit der Wiedervereinigung bis 2019 verdoppelt: sie liegt zwar noch immer “nur” bei 69% im Vergleich zu den Alt-Ländern, lag aber 1990 nur bei 32%.
Warum fliegt uns denn der Osten gerade um die Ohren?
Ich denke, da kommen mehrere Punkte zusammen: empfundene Kränkungen, Enttäuschungen über ein System, in dem man sich noch nicht so recht eingefunden hat, weil es ganz andere Dinge fordert als zu DDR-Zeiten gefragt waren, und welches gerade in letzter Zeit auch nicht nur den wirtschaftlichen Weg nach oben kennt, den man vielleicht erwartet hätte, Sehnsüchte in eine vermeintlich einfachere Zeit (das ist kein Ost-Phänomen, sondern Grundlage der globalen Welle des Populismus, führt hier spezifisch jedoch zu dieser Ostalgie). Ich finde es insofern spannend, als dass ich Ostdeutsche hier auch für “sensibler” halte, sie also früher auf eine Entwicklung ansprechen, die letztlich bundesweit auftreten wird. So ist die AfD zwar nach wie vor sehr stark im Osten, aber eben mittlerweile auch im Westen verankert.
Das ist wie beim Abschieben: treffen tut es primär die, die sich eh schon an die Regeln halten.