Es war irgendwann in der Zeit als die Corona-Zeit zwar noch nicht vorbei war, aber die größten Verwüstungen vorerst etwas gelindert waren. Als die ersten Leute geimpft waren, als die Ausgangssperren nicht mehr waren und es auch nicht mehr Winter war. Da erzählten dann die ersten Freunde, dass es ihnen in dieser Zeit gar überhaupt nicht so gut gegangen ist. Man hörte von den ersten Bekannten, die in Therapie oder einer Klinik gegangen sind und hat es von anderen mitbekommen, dass die es auch hart nötig gehabt hätten. Aber erstmal haben die Leute geschwiegen und es in sich rein gefressen.
Und jetzt? Jetzt habe ich das Gefühl, dass in diesem aktuellen Wahnsinn gerade die psychischen Verwüstungen auch anfangen. Ich hab es bei ein, zwei Freunden bemerkt, die nicht drüber sprechen, aber wenn man sie kennt, merkt man, dass sie gerade mächtig knabbern. Das die Sicherheit komplett zerfetzt wurde, ganze Weltbilder ins Wanken geraten, die Unsicherheit Ängste macht.
Also: Wie geht ihr mit der ganzen Geschichte rund um Krieg, Trump, Wirtschaftskrise, Grönlandgier, Techimperialismus und Faschismus um? Wie geht es euch?
Mir geht es garnicht gut. Mein Mann ist in der Ukraine (damals SU) geboren. Als der Krieg losging war nicht ganz klar, ob sie ihn einziehen würden. Er hat doppelte Staatsbürgerschaft, weil die Ukraine ihn nicht ausbürgert. Also haben wir nicht nur immer im Hinterkopf was passieren sollte, wenn die Ukraine ihn doch mal versuchen sollte einzuziehen. Wir machen uns auch Sorgen was passiert, wenn die AfD an die Macht kommt und Gesetze gegen Personen mit Geburtsort außerhalb von Deutschland erlässt.
Jobmässig läuft es bei mir richtig scheiße (bei ihm zum Glück gut) und das macht mich psychisch fertig. Es scheint auch überall salonfähig geworden zu sein, sich wie der letzte Arsch zu benehmen. Ich fühle mich manchmal zu politisch korrekt für die Welt. Ehemalige Freunde sind seit Corona komplett nach rechts gedriftet. Ich fühle mich einfach ganz oft falsch hier.
Ich weiß nicht, was ich schreiben soll, das klingt so schrecklich :( Aber fühl dich irgendwie gedrückt oder irgendwie so… du bist da nicht alleine, es gibt auch haufenweise Leute, die die AfD kacke finden und nicht rechts sind
Ich für meinen Teil habe den Glauben an die Menschheit seit Corona mehr oder weniger verloren - obwohl wissend, dass die Mehrheit der Menschen vernunftbegabt, empathisch und zivilisiert ist.
Leider zeigt sich immer deutlicher, dass ein viel zu großer Anteil der Menschheit aus aggressiven, dummen, bildungsfeindlichen, unberechtigt selbstüberzeugten, irrationalen, asozialen Personen besteht - vorwiegend aus dem rechten Spektrum. Und der ist ein Problem. Und diese Menschen lauern überall.
Das hat für mich dazu geführt, dass ich viel wachsamer bin, mit wem ich über welches Thema rede. Und wenn mir im Verein, auf Arbeit oder sonstwo ein erkennbarer Blauzi oder Trump-Fan begegnet, dann treffe ich aktive Maßnahmen, meinen Kontakt mit dieser Person zu minimieren, denn für solche habe ich nur noch kalte Verachtung übrig.
Ach ja, und nebenbei fühle ich mich selbst ziemlich mies und schizophren angesichts der Tatsache, dass mein Börsenzeugs seit Trump durch die Decke geht. Auf dem Papier schön für mich, aber ein katastrophales Zeichen für die Menschheit, wenn der Aktienmarkt aufblüht, je mehr die arme Mehrheit der Gesellschaft bluten muss.
Mittlerweile halte ich es nur noch mit Zynismus á la George Carlin aus: Ich bin ein interessierter Betrachter, der zuschaut, wie wir immer schneller um den Abfluss kreisen. Und irgendwie fällt es mir immer schwerer, dabei nicht zu denken, wir haben das auch so verdient.
nebenbei fühle ich mich selbst ziemlich mies und schizophren angesichts der Tatsache, dass mein Börsenzeugs seit Trump durch die Decke geht
Es kommt nur darauf an was man mit dem Geld macht. Es gibt viele Menschen die als Aktivisten ihr Leben einsetzen um die Welt besser zu machen und die für ihre Arbeit auf Unterstützung angewiesen sind. Wenn du denkst dass das Börsengeld stinkt dann mach was Gutes damit.
Es ist jetzt auch nichts, was mich reich macht, aber ja, klar. Ich habe z.B. einen nicht trivialen Beitrag geleistet, als dieser Spinner hier die Berliner Kältebusse angezündet hat.
Was mich viel mehr erschreckt, ist was ich an mir selbst beobachte: Sogar bei den eigenen guten Taten hat man Angst, dass sie irgendwie jemandem aus dem von mir eingangs erwähnten Personenkreis zugute kommen; also jemandem, der für die ganze Misere einen mehr oder minder kleinen Anteil der Schuld trägt. Und dann lässt man das Spenden plötzlich sein.
Es fühlt sich scheiße an, nichts gutes zu tun, aber es würde sich auch richtig scheiße anfühlen, irgendeinem dummen AfDler versehentlich auch nur einen einzigen Cent zu geben. Es ist wirklich ein wenig schizophren.
Vielleicht musst du dann das Spendenziel entsprechend auswählen. Z.b. www.politicalbeauty.de www.rote-hilfe.de www.kabulluftbruecke.de um mal ein paar zu nennen. Ich glaube da ist das Risiko so ziemlich ausgeschlossen.
Eskapismus ist gerade meine Strategie. Lesen, Filme gucken, Spiele zocken. Und Arbeiten.
Und Knoblauch-Dragees?
Kann nie schaden was von den Stoikern zu lesen. Ob ich mich jetzt über jeden von Trumps Hirnfürzen aufrege oder nicht, es ändert nichts an der Weltlage. Ich konzentriere mich auf das, was ich direkt beeinflussen kann. z.B. hier schreiben statt auf dem Fascho Torment Nexus, ner Bibliothek mein Geld geben statt Netflix, weniger schrott konsumieren, mehr investieren.
Ich schreibe das jetzt nur hier dazu, weil es finde ich dazu passt, nicht weil ich dich kritisieren oder gegen Stoizismus argumentieren will:
Als säkularer Buddhist sehe ich viel Gemeinsamkeiten mit Stoikern. Was ich erstaunlich finde ist, dass beides etwa gleichzeitig, aber in unterschiedlichen Teilen der Welt ohne Kontakt zueinander entstanden ist und trotzdem einen so ähnlichen Ansatz verfolgt.
Ein nennenswerter Unterschied ist, dass, wie du schon schreibst Stoiker an den freien Willen glauben, dass obwohl man die Umstände nicht kontrolliert, man sein eigenes Handeln unter den Umständen kontrolliert. Die moderne Psychologie und Neurologie glaube ich findet sich da eher auf Seiten des Buddhismus wieder, der eher davon ausgeht, dass man wenig Kontrolle hat, auch über das eigene Handeln, bzw. jedes Fitzelchen an Kontrolle über sich selbst erst erarbeitet werden muss. Das resoniert auf jeden Fall mit mir als Person mit ADHS.
Es geht beim Buddhismus zentral mehr darum Verlangen zu identifizieren und davon loszulassen, insbesondere den Verlangen, die nicht erfüllt werden können, z.B. hier dem Verlangen nach einer gerechten Welt (was aber nicht heißt, dass man nicht versuchen soll die Welt selbst ein Stück gerechter zu machen, wenn man die Möglichkeit dazu hat). Leiden ist Teil der Welt, das eigene Leiden ist in Verlangen begründet und wird damit aufgelöst vom Verlangen nach und nach loszulassen. Mir hilft der Ansatz sehr mit den Dingen im OP (und vielem Anderen, z.B. sozialer Angst) klarzukommen.
Konkrete Leseempfehlung wäre “Buddhism without Beliefs” von Stephen Batchelor.
PS: Ich will hier keinesfalls Stoizismus abwerten oder Buddhismus darüber stellen, ich finde Stoizismus sehr interessant und auf jeden Fall einen nützlichen Ansatz den sich jeder anschauen sollte. Und eine der Lehren Buddhas (bzw. wurde vermutlich später hinzugefügt) war auch, dass es nicht auf den Lehrer ankommt und nicht auf die Lehre, sondern wie sie einem helfen sich zu verbessern.
Ich verstehe zumindest bei dem nicht buddhistischen Teil Worauf du hier hinaus willst, ich sehe das den freien Willen als eine nützliche/notwendige Fiktion. Natürlich kämpft man die Hälfte der Zeit gegen den inneren Schweinehund, seine Hirnchemie, genetische Faktoren, die Evolution selbst. Aber selbst dann gehst du ja, wenn du an dir arbeitest, davon aus, das beeinflussen zu können. Und zumindest auch die stoiker würden denke ich kaum behandeln, dass man lästiges einfach so nicht wollen kann.
Wie du schon schreibst sind Hirnchemie usw. auch Umstände über die man keine oder nur begrenzte Kontrolle hat, genauso wie externe Umstände. Deswegen sollte man aus meiner Sicht zuerst an den Erwartungen an sich selbst arbeiten, was absehbar möglich/realistisch ist, also eben keine nützliche/notwendige Fiktion (bzw. das Verlangen danach, dass die Fiktion irgendwann wahr wird) zu haben. Buddhismus konzentriert sich mehr auf den eigenen emotionalen/mentalen Umgang mit diesen Umständen, als die Umstände selbst zu überwinden. Zum Beispiel hat Buddhismus auch Selbstdisziplin nicht per se als Tugend (oder überhaupt Tugenden als solche). Buddhismus hat das “Rechte Bemühen” (right effort), aber da geht es auch eher um die innere Selbstdisziplin.
Tl;dr: Am eigenen Verhalten arbeiten ist gut, aber wichtiger ist, dass das nicht selbst wieder zur Quelle der Verzweiflung wird.
Ich war vorher schon chronisch depressiv. Es ändert nichts an meinem psychischen zustand. Es hilft natürlich nicht dabei den zu verbessern.

Wünsche mir Corona fast zurück. Gerade in der Anfangszeit war ich sogar milde optimistisch, weil es so schien, als würde die ganze Welt tatsächlich mal an einem Strang ziehen wollen.
Aber jetzt? Ich hab wieder 'ne scheiß Angst vor der Zukunft. Bin da zwar recht abgestumpft, weil aufgewachsen mit Weltuntergangsprophezeihungen, trotzdem ziemlich kacke. Unsere Gesellschaft scheint einfach komplett von den diversen Divide & Conquer Fraktionen ausgedribbelt zu werden. Und kaum was zu sehen, was wir dem entgegen setzen können. Überall dieser ganze Hass, der sich auf die Verantwortlichen (imho Politiker und Menschen mit viel zu viel Geld, die damit die Demokratie manipulieren) konzentrieren könnte.
weil es so schien, als würde die ganze Welt tatsächlich mal an einem Strang ziehen wollen.
So sehr dieses.
Ich erinnere mich genau an diesen Gedanken und dieses Gefühl, zum allerersten Mal in der Menschheitsgeschichte mit “allen” im gleichen Boot zu sitzen, quasi ein paradoxes Näher-Zusammenrücken im gemeinsamen Social Distancing. Da muss doch irgendwas Gutes bei rauskommen, oder?? Und dann sind wir irgendwo falsch abgebogen. 😑
ja gut, aber das erste was in deutschland passierte, war keine hilfe nach italien zu schicken. eine ernst zu nehmende internationale impfkampagne gab es am ende auch nicht.
Nee, es ist letzten Endes alles auseinander gefallen. Aber so die ersten paar Monate waren alle noch verwirrt und unvorbereitet, da war es nicht unbedingt überraschend, dass praktische Maßnahmen erstmal Mangelware waren oder schief liefen oder in die falsche Richtung. Ich red mehr von der Mentalität, die meinem Gefühl nach vorherrschte (wenn auch nicht sonderlich lange). Ich kann das auch alles nicht an konkreten Tatsachen festmachen, deswegen sagte ich “Gefühl”.
Wir leben halt in Zeit des Wandels und ganz ehrlich man muss sich immer wieder bewusst machen, dass der Wandel auch gut sein kann. Zum Beispiel hat der Krieg in der Ukraine die Energiewende in Deutschland und ganz Europa beschleunigt. Soetwas wie Habecks Heizhammer wäre sonst nie durchgekommen.
Die Wirtschaftskrise in Deutschland liegt vorallem daran, dass auf E-Autos umgestellt wird. Im ersten Halbjahr des letzten Jahres waren tatsächlich 30% der in Deutschland gebauten Autos voll elektrisch. Das andere sind Gruppen wie die chemische Industrie, wo vorallem die fossilen richtig Probleme haben. Momentan entlassen die meisten Raffinerien viele Arbeiter und die großen Ölriesen wollen gerne ihre deutschen Raffinerien verkaufen. Das dauert alles, aber der Wandel ist da und geht in die richtige Richtung.
Auch im Ausland können gute Sachen passieren. Russland kann fallen, die USA kann Trump vielleicht sogar abgewählt werden und so weiter.
Scheiße, mein Ventil sind zynische Kommentare hier und Drogen.
Wo gibt’s hier Drogen?
Bei mir, willst du lieber Gras, LSD, oder DMT haben? Alternativ bin ich in ner halben Stunde beim Frankfurt Hbf.
Insgesamt: mies.
Es fühlt sich an, als würde man versuchen, Leute vor einer Gefahr zu warnen, über die man in der Schule jahrelang gelernt hat, nur damit man ignoriert wird. Man ist gezwungen mitanzusehen wie Leute, deren Zeit auf dieser Erde sich dem Ende nähert, scheinbar alles in ihrer Macht Stehende tun, um eine möglichst schlechte Zukunft zu garantieren.
Grundsätzlich wird der Medienkonsum derart runtergefahren, dass nicht mehr jeden Tag gedoomscrolled wird. Außerdem wird nur das Fediverse genutzt, weil ich finde, dass sämtliche andere Plattformen gerade von rechtem Müll geflutet wird und die Diskussionskultur absolut unterirdisch ist. Das tut schonmal gut soweit.
Wegrennen kann man zwar nicht immer, aber man kann seinen Fokus auf das richten, was gut läuft. Nämlich das z.B. das Bewusstsein der Abhängigkeiten gegenüber den USA erkannt wird und der Wunsch nach digitaler Souveränität wächst. Die Zeiten der größten Unsicherheiten können auch eine gute Chance für positive Veränderungen sein. Wie auch immer geartet.
Nicht gut. Am schlimmsten ist aber die Untätigkeit von Freunden und Familie. Ich gehe auf alle möglichen Demos und erzähle, dass wir das nur als Gesamtgesellschaft hinkriegen und alle was machen müssen. Die Hälfte ignorierts und die andere Hälfte sagt danke und macht nichts. Von den Schwurblern etc. habe ich mich schon distanziert, da habe ich keine Energie für. Zieht mich nur noch mehr runter. Aber natürlich sind sie auch da draußen.
Schlecht (Überraschung!). Nicht “nur” wegen des damit verbundenen Leids - die völlige Sinnlosigkeit macht mir gefühlt am Meisten zu schaffen.
Es gibt viele komplexe Probleme, aber manchmal gibt es auch eindeutige Maßnahmen, die helfen würden aber einfach nicht gemacht werden - z.B. Tempolimit, AgD-Verbot, … Es gibt Mehrheiten in der Bevölkerung dafür. Es gibt keine vernünftigen Gegenargumente (die offen ausgesprochen werden). Es wird einfach trotzdem nicht gemacht und stattdessen sehenden Auges ins Verderben gerannt. Das macht mich fertig.
Und böse Zungen würden sagen, dass das genau das Ziel von diesem Verhalten ist: die demokratischen und engagierten Teile der Bevölkerung zu demoralisieren. Und selbst wenn es nicht das Ziel ist, ist das zumindest der Effekt.
Was ich dagegen tue: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es unglaublich (buchstäblich) gut tut, mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten - und zwar nicht nur online, sondern im persönlichen Kontakt. In solchen Situationen merke ich, was “Der Mensch ist ein soziales Wesen” heißt (und ich sage das als Introvertierter) - ich merke das auf einer geradezu biologischen Ebene.
Von daher organisiere ich mich mit anderen, um etwas gegen den Wahnsinn zu tun. Man kann sich natürlich auch zu anderen Zielen zusammentun (ich glaube, dass vielen Menschen die Lohnarbeit so wichtig ist, hängt am selben Effekt), aber das ist das, was mir gerade am Sinnvollsten erscheint. Im Idealfall erreichen wir sogar was (z.B. indem wir zeigen, dass Solidarität eher zu einem besseren Leben führt als Nachtreten gegen Schwächere) und schlimmstenfalls tut es uns einfach gut.
Außerdem: Ablenkung, Therapie, Kontakt mit netten Leuten, meditieren, Humor.

Pragmatischer Antifaschismus zur erhalt der Sanity.
Es hilft zu sehen wie sich struckturen bilden und festigen.
Klassiker: Bildet Banden! Oder wie es Tadzio Müller formuliert: Solipreppen.
Mir helfen die ganzen Klassiker:
- Sport
- Viel mit Freunden unternehmen
- Nachrichten nicht mehr den ganzen Tag verfolgen, sondern gesammelt 1-2x pro Tag
- Überlegen, was ich überhaupt beeinflussen kann und das dann machen
Ab und zu habe ich dann so 2,3 Tage Weltschmerz, danach geht’s wieder bergauf.
Gute Sachen.
Für mich geht auch noch deutlich seltener Nachrichten. 1x pro Woche oder weniger. Die 5% mittel- und langfristigen Entwicklungen verfolgen und die 95% an irrelevantem Grundrauschen skippen.
Mal mehr schauen was lokal um einen herum passiert statt auf Weltgeschehen zu fixieren.
Kleine Dinge genießen. Bei mir ist es gerade Tee in all seinen Facetten. Absolutes Rabid hole und sehr beruhigend.
Freunden bewusst was nettes tun. Bekochen oder irgendwo aushelfen. Initiative ergreifen und gemeinsame Unternehmungen planen…
Puh, gar nicht gut, aber danke fürs Nachfragen.
Im Moment versuche ich dem entgegenzuwirken, indem ich weniger Nachrichten konsumiere. Gerade Anfang des Jahres hab ich gemerkt, dass ich da eher vermehrt Artikel gelesen hab. Quasi der Versuch mit mehr Infos irgendwie schlau aus der Sache zu werden. Aber das macht es nur schlimmer. Gehirn mag Krise nicht.
Bis ich dann zufällig über einen Artikel gestolpert bin, mit Tips wie man die Situation am besten angehen kann und am Ende ist der beste Tip dann wirklich weniger Nachrichten. Ich versuche auch hier weniger Kommentare zu politischen Themen zu lesen. Hab das Gefühl da herrscht vor Allem der Zynismus und so ein bisschen die “Geht eh alles den Bach runter, als war’s das jetzt”-Stimmung. Außer Lemmy benutze ich eh kein Social Media (Falls man es überhaupt so nennen kann), sonst wär’ der Effekt wahrscheinlich noch stärker.
Aber Aufgeben ist halt auch nicht. Hoffnung hat Blut an den Knöcheln und so.
Ich übe mich in Resilienz, in lächelndem Gleichmut und Achtsamkeit. Es ist mir nicht egal, was passiert, aber ich muss genau hinsehen, was mich erreicht und was ich selbst bewirken kann. Die Unzufriedenheit über Dinge, die ich nicht ändern kann, schadet mir.
Inspiriert vom Gedicht “there’s laundry to do and a genocide to stop”: Ich werde nicht die großen Probleme unserer Zeit lösen (können), sofern ich nicht mein Leben vollständig umwerfe - und das wird nicht ohne dramatische Einflüsse passieren.
Ich muss also lernen, dass ich mache was ich kann, und dass dennoch Dinge nicht in meiner Macht liegen.
Daher meditiere ich, übe mich im Freuen an meinen Hobbies und meiner Familie, engagiere mich in einer gemeinnützigen Organisation, lege öfter mal das Handy ganz weit weg und hole mir mein “Erspartes” von den grauen Herren zurück, indem ich mich ab und zu mal von der Langeweile einnehmen und die Dinge ihre Zeit dauern lasse.
Ich glaube: Ich versuche, in dem bisschen Zeit, die mir bleibt, für “meine Menschen” und mich selbst der beste Mensch zu sein, anstatt der für andere am wenigsten belastende Mensch. Die Welt wird nicht besser davon, dass ich nervös und wütend und zynisch bin - aber meine Welt wird es, wenn ich meinen Weg in Ruhe gehe.
Das schaffe ich zwar nicht oft, aber es wird.
Schritt, Atemzug, Besenstrich.
Hauptsächlich kämpfe ich damit, dass diese es gibt kein morgen Stimmung mir auch aus dem Umfeld entgegenschlägt. Ich selbst mach gerade ein bisschen die Augen zu, ist zwar naiv, aber mir ist das alles einen Ticken zu wahnsinnig.
Ich finde das nicht naiv, sondern konsequent, weil man sich ja schützen will. Ich vermeide auch zurzeit Nachrichten und verschiedene Communities, weil ich sonst selber diese Stimmung entwickle und ausstrahle.
Ich glaube manchmal, dass wir mit all dem drohenden Unheil übersehen, dass nicht alles davon, nicht alles gleich heftig und nicht alles zur gleichen Zeit passieren wird.
Und nur, weil ich meine Plattitüden so mag: Natürlich gibt es ein Morgen. Und dann noch eins. Und noch eins. Und wie heute auch werden wir im Morgen aufwachen und das Heute leben, das uns unser Gestern beschert hat.










